Für Europäische Märsche gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und AusgrenzungAufruf von Florenz / Juni 1996
Es gibt heute in der Europäischen Union 20 Millionen offiziell registrierte Erwerbslose, 50 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze. Jede und jeder von uns kann Opfer von Erwerbslosigkeit und Armut werden. Die soziale Zersplitterung nimmt zu, Erwerbslosigkeit und Armut versetzen die Menschen in prekäre Verhältnisse, drücken auf die Arbeitsbedingungen der abhängig Beschäftigten und auf die Einkommen und sozialen Rechte der Mehrheit der Bevölkerung; sie verschärfen den Rassismus und steigern die Ungleichheit. Gleichzeitig nimmt die Konzentration des Reichtums, der Produktionsmittel und des Bodens in immer weniger Hände zu. Diese Situation ist unerträglich. Die Europäische Union hat in diesem Jahr mit dem Vorhaben einer Regierungskonferenz eine Diskussion über ihre Zukunft auf die Tagesordnung gesetzt. Wir lassen es nicht zu, daß diese Diskussion sich allein auf institutionelle Fragen beschränkt, oder daß sich hinter den Reden über den Vorrang der Arbeitsplätze nichts anderes verbirgt als Maßnahmen, die die Lage der abhängig Beschäftigten noch unsicherer machen. Alles deutet darauf hin, daß die sozialen Probleme, die die Bevölkerung in unseren Ländern in erster Linie bedrücken, nicht behandelt werden. Wir meinen, im Gegenteil, es ist eine radikale und entschlossene Politik des Kampfs gegen die Erwerbslosigkeit nötig. Eine solche Politik muß - das ist die vordringlichste Aufgabe - allen Erwerbslosen und in ungesicherten Verhältnissen Lebenden ein Leben in Würde ermöglichen und den Bauern, daß sie von ihrem Land leben können. Das umfaßt - auch für Einwanderinnen und Einwanderer - das Recht auf Wohnung, auf gesundheitliche Versorgung, auf Freizügigkeit, Gleichheit zwischen Männern und Frauen und das Recht auf ein existenzsicherndes Einkommen. Eine solche Politik muß sich einsetzen für:
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Die Senkung der Massenerwerbslosigkeit erfordert in einer Periode bedeutender Produktivitätszuwächse eine massive Herabsetzung der Erwerbsarbeitszeit, ohne Senkung des Lebensstandards der abhängig Beschäftigten, verbunden mit sofortigen Neueinstellungen. Damit diese politischen Lösungen in Angriff genommen werden, müssen sich alle in Bewegung setzen: Erwerbstätige, Erwerbslose, Bauern, Jugendliche, Rentnerinnen und Rentner ... und all jene Bewohnerinnen und Bewohner Europas, die von Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind. Wir fordern auf zu europäischen Märschen gegen Arbeitslosigkeit, unsichere Beschäftigungsverhältnisse und Ausgrenzung. Wir wollen uns im Frühjahr 1997 in Amsterdam treffen. Dazu rufen die Unterzeichneten auf:
ErstunterzeichnerInnen (oder AufruferInnen zu den Märschen)
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französisches Original
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